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Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Treptow-Köpenick

Am 26. März 2010 haben verschiedene Einzelpersonen und Projekte mit Unterstützung des VVN-BdA Köpenick e.V. an die Opfer der NS-Zeit aus Treptow-Köpenick erinnert. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte zwölf Stolpersteine im Bezirk; sechs davon in Friedrichshagen.

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Source: VVN-BdA Berlin e.V

Wir dokumentieren hier einen Beitrag von Elisabeth Gibbels. Sie engagiert sich in der zivilgesellschaftlichen Initiative „Friedrichshagen ist bunt“, welche durch Aktionen und Projekte zeigen will, dass der Ortsteil Friedrichshagen offen und bunt ist und Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus hier keinen Platz haben.

Stolperstein für ein Friedrichshagener Kind – die Patenschaft übernahmen Kinder

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist” sagt der Initiator des Stolperstein-Kunstprojekts Gunter Demnig. Vier Kinder aus Friedrichshagen und Karlshorst haben dazu beigetragen, dass Wolfgang Holzmann, 13 Jahre, nicht einfach vergessen wird.

Wolfgang Holzmann, ein Junge aus Friedrichshagen, wurde im März 1943 deportiert und in Ausschwitz ermordet. Als die zwei Gestapo-Beamten ihn und seinen Vater aus ihrer Wohnung in der Bölschestraße 25 abholten, schaute ein verängstigtes fünfjähriges Mädchen zu. Als er am 26. März 2010 seinen Namen zurückbekam, waren an die hundert Menschen dabei, darunter auch das kleine Mädchen von damals.

Unter den Zuschauern waren Schulklassen aus vier Friedrichshagener Schulen, Zeitzeugen, Einwohner von Friedrichshagen und zufällige Passanten. Sie alle hörten, was ihnen ein 14-jähriges Mitglied der Kinder-Forschergruppe über Wolfgang erzählte. Sie schauten auf das Klassenfoto aus der Müggelsee-Grundschule, auf dem Wolfgang dicht an die Lehrerin gedrückt zu sehen ist.

Die Forschergruppe bestand aus SchülerInnen der Salvador-Allende-Oberschule in Köpenick und des Jüdischen Gymnasiums in Mitte. Die Kinder haben die Patenschaft über seinen Stein übernommen und sich nach der Schule und am Wochenende mit Zeitzeugen getroffen, telefoniert und geschichtliche Materialien studiert. Entstanden ist eine Kurzbiographie, die nun dem “Raum der Namen” im Informationszentrum des Denkmals für die ermordeten Juden Europas am Potsdamer Platz übergeben wird. Doch noch bewegender war die lebendig gewordene Geschichte, sind die vielen Details aus dem Alltag, die bei der Forschung zu tage traten.

Wolfgang hatte Banknachbarn und Spielkameraden im Haus und über die Straße, er hatte eine Klassenlehrerin der bekennenden Kirche, die ihn beschützte, sein Vater spielte Skat mit den Nachbarn im Haus – und wurde von anderen Nachbarn dafür angezeigt. Die Menschen, die sich nach so vielen Jahren an ihn erinnern, waren Kinder von Kommunisten, Mitgliedern der bekennenden Kirche und Nachbarn, die sich ihre Menschlichkeit nicht nehmen ließen.

Die Kinder der Forschergruppe haben Wolfgang Holzmann seinen Namen zurückgegeben. Seine Kurzbiographie wird im “Raum der Namen” zu hören sein. Wichtiger jedoch ist, dass die Schulkinder, die an diesem 26. März seine Geschichte gehört haben, ihn in ihrem Gedächtnis tragen.

Elisabeth Gibbels (Friedrichshagen ist bunt)

Zum Projekt Stolpersteine

Friedrichshagener Lokalblatt „friedrichshagener schirm“

Die Linke. Treptow-Köpenick

Fotos von der Verlegung der Stolpersteine