Berliner Biermeile

700.000 Besucher_innen und 2400 verschiedene Biersorten aus 87 Ländern der Welt. Seit 1996 findet mit der „Biermeile“ im Berliner Bezirk Friedrichshain eines der größten Feste Europas mit jährlich steigenden Besucher_innenzahlen statt – und wehrt sich seit einigen Jahren erfolgreich gegen Rechtsextremismus.

Was war das Problem?

Lange Zeit galt die Veranstaltung als Sammlungspunkt für Rechtsextreme, immer wieder kam es zu rassistischen und rechtsextremen Angriffen auf dem Fest und im Umfeld. Noch 2002 schrieb die Wochenzeitung Jungle World: „Hinter dem Stand einer Imkerei aus Neubrandenburg, die sich »Germanenzug Schwaßmann« nennt, begeben sich über hundert hartgesottene Nazis, darunter auch stadtbekannte Berliner Kader, in eine bierselige Massenschlägerei. Die Anbieter des Germanentrunks lassen seelenruhig die Läden herunter und schließen ihren Stand. Nebenan geht ein Biertisch nach dem anderen zu Bruch.“ In den Chroniken der Antifa Friedrichshain und des bezirklichen Registers finden sich jährlich wiederkehrende Einträge von Übergriffen und Pöbeleien durch Rechtsextreme.

Wie konnten wir helfen?

Die Situation begann sich erst langsam zu ändern als 2006 die von der MBR unterstützte Initiative gegen rechts Friedrichshain mit einem Stand auf dem Fest vertreten war. Dies ist auch ein Ergebnis des öffentlichen Drucks, den die Initiative zusammen mit Bezirkspolitiker_innen erzeugt hat und der dazu geführt hat, dass das Problem endlich anerkannt wurde.

Seit 2010 berät die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin den Veranstalter des Festes und unterstützt ihn in seinem Anliegen, die Biermeile zu einem Fest zu machen, auf dem „ Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt (…) keinen Platz“ haben sollen. Teil dieser Unterstützung sind Maßnahmen, die in einer gemeinsamen Vorbereitungsgruppe von Veranstalter, Bezirksstadträten, Initiative gegen Rechts und Anwohner_innen erarbeitet wurden. Dazu gehören Schulungen zu rechtsextremen Symbolen und Marken für die Mitarbeiter_innen der Biermeile und des Sicherheitsdienstes oder die Beratung bei der Entwicklung einer Festivalordnung.

Die „Biermeile“ ist ein internationales Festival mit jährlich hunderttausenden Gästen unterschiedlicher kultureller, ethnischer, sozialer und religiöser Herkunft.
Sie steht damit für Vielfalt und Weltoffenheit.

Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt haben auf der „Biermeile“ daher keinen Platz!

Wir tolerieren auf der „Biermeile“ keine beleidigenden Äußerungen, Bedrohungen oder Angriffe aufgrund von Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sexueller Orientierung. Unterstützen Sie uns dabei, ein Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zu fördern!

Die Darstellung von Symbolen auf Kleidungsstücken oder das öffentliche Tragen von Accessoires und Tattoos mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene ist ein Verstoß gegen die Festivalordnung. Wird dies bei Besuchern auf dem Gelände der „Biermeile“ wahrgenommen, wird ein solcher Verstoß mit sofortigem Verweis vom Gelände durch den Veranstalter geahndet.

Der Veranstalter tritt dafür ein, dass das Internationale Berliner Bierfestival auch künftig bleibt, was es ist: ein bunter und unterhaltender Streifzug durch die friedliche Welt des Bieres.

Was haben wir erreicht?

Die Festivalordnung, die seit 2011 Verwendung findet, verbietet nicht nur strafrechtlich relevante rechtsextreme Äußerungen, sondern auch solche „mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene“. Darüber hinaus unterstützte der Veranstalter die Initiative gegen Rechts Friedrichshain in der Verteilung von Informationsmaterial zu Rassismus und Rechtsextremismus auf der Biermeile. Auch die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg verabschiedete 2011 einen Beschluss, der explizit die Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus auf dem Festival unterstützt. 2013 veröffentlichte der Veranstalter bereits im Vorfeld eine Erklärung, die auch von den beiden Bezirksstadträten Mildner-Spindler und Dr. Beckers, Frau Scheibner, Präsidentin des Verbands Privater Brauereien Deutschland e.V., der Johanniter Unfall-Hilfe sowie den Unternehmen Fourtech Events und Grützmacher Sicherheitsdienste getragen wurde. Für das Festival wurde diese Erklärung an verschiedenen Stellen im DIN-A2-Format ausgehängt. Ebenfalls wurde die Erklärung an sämtliche Standbetreiber_innen des Festes verteilt, von denen einige sie als Zeichen der Unterstützung sichtbar aushängten.

Im Jahr 2014 befand sich auch das Logo der Amadeu-Antonio-Stiftung auf dieser Erklärung. Darüber hinaus unterstützte der Veranstalter die Arbeit der Stiftung gegen Rechtsextremismus mit einer Spende.

Erstmalig waren 2014 auch die Betreiber_innen von Quartiermeister mit einem eigenen Stand auf der Biermeile vertreten. Einen besonderen Fokus setzten sie in diesem Jahr auf das Netzwerk Berlin gegen Nazis, mit dem sie ein gemeinsames Projekt aus Teilen ihres Gewinnes ins Leben rufen möchten.

Wie geht es weiter?

Diese und andere Schritte haben mittlerweile deutliche Erfolge gezeitigt: Die Biermeile scheint erheblich an Attraktivität für organisierte Rechtsextreme verloren zu haben, sie ist kein Sammlungspunkt für ganze rechtsextreme Cliquen mehr. Am Ende ist dieser Prozess freilich noch nicht: noch immer sind rechtsextreme und rassistische Äußerungen auf der Biermeile präsent. Gleichzeitig erfuhren die Mitarbeiter_innen von Quartiermeister auch viel Zuspruch für ihre Positionierung gegen Neonazis.

Die Biermeile ist kein Feindbild mehr, sie ist ein Feld, auf dem Auseinandersetzungen geführt werden müssen, auf dem allerdings auch Erfolge und Allianzen möglich sind. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin wird auch künftig den Akteuren auf diesem Feld beratend zur Seite stehen. In der Hoffnung, dass die Biermeile bald ein Ort ist, auf dem sich alle Menschen angstfrei bewegen können.