Protest gegen Thor Steinar-Läden

Die umstrittene Modemarke Thor Steinar ist in der rechtsextreme Szene überall zu finden. Es gibt keinen rechtsextremen Aufmarsch, bei dem nicht dutzende Jacken und Pullover der Marke zu sehen sind. Fast jeder Nazi-Versand hat die Kleidung im Sortiment.

Was war das Problem?

Seit 2005 gab und gibt es Läden in Berlin, die ausschließlich Thor-Steinar-Kleidung verkaufen. Ebenso lange gibt es antifaschistischen, zivilgesellschaftlichen Widerstand dagegen.

Nachdem 2008 der erste Berliner Thor-Steinar-Laden im Berliner Carré schließen musste, öffnete dieser seine Türen nur wenige hundert Meter weiter in der Rosa-Luxemburg-Straße. Dort bestand das Geschäft zwei Jahre, bis es im Oktober 2010 schloss. Ein Jahr später eröffnete jedoch eine Thor-Steinar Filiale gleichen Namens in der Berliner Allee in Pankow-Weißensee, die bis heute geöffnet ist. Bereits im Februar 2009 zog zudem ein Thor-Steinar-Geschäft in der Friedrichshainer Petersburger Straße ein. Auch dieses Geschäft existiert noch immer.

Für Thor Steinar sind derartige Ladengeschäfte strategisch bedeutsam. Das Kalkül liegt weniger im Umsatz, als in dem Normalisierungseffekt, der durch die Präsenz nationalsozialistischer, völkischer und kolonialistischer Symbole und Inhalte in der Öffentlichkeit erzielt werden soll.

Wie konnten wir helfen?

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus beriet und unterstützte Initiativen, Gewerbetreibende, Künstler/Innen und engagierte Bürger/Innen in jedem dieser Fälle. Das vielfältige Engagement umfasste neben Kundgebungen und Demonstrationen auch Veranstaltungen, Diskussionsrunden, künstlerischen Aktionen wie die Gestaltung von Containern und vieles mehr.

Die MBR konnte in diesen Fällen verschiedene Akteure aus Bezirks- und Landespolitik miteinander vernetzen, steuerte Einschätzungen zu Design und Wirkung von Thor Steinar bei und beriet auch Vermieter im rechtlichen Vorgehen.

Durch Vermittlung der MBR gelang es beispielsweise in Mitte, den Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD), die Initiative gegen den Thor-Steinar-Laden, und Vertreter/innen der Verwaltung an einen Tisch zu bringen. Dadurch entstanden kurze Kommunikationswege und ein gemeinsames Vorgehen auf Augenhöhe, was die Umsetzung auch von unkonventionellen Protestformen wie die von Künstler/innen gestalteten Protest-Container vor dem Laden ermöglichte.

Was wurde erreicht und wie geht es weiter?

Dank des vielseitigen Engagements von Initiativen, Verwaltung, Geschäftsleuten und Politiker/innen mussten sowohl der Thor-Steinar-Laden im Berliner Carré als auch der in der Rosa-Luxemburg-Straße schließen. Die Auseinandersetzungen um die beiden Geschäfte in Weißensee und Friedrichshain dauern an. In beiden Bezirken engagieren sich Bürger/innen und Antifaschist/innen sowie Politiker/innen verschiedener Parteien in Initiativen, die daran arbeiten, dass es in Berlin bald gar keine Thor-Steinar-Läden gibt.