Rechtsextremer Aufmarsch des „III. Weg“ am 3. Oktober 2020

Für den 3. Oktober 2020 bewirbt die rechtsextreme Kleinstpartei „Der III. Weg“ einen Aufmarsch in Berlin-Hohenschönhausen. Die Veranstaltung ist von 14.00 bis 20.00 Uhr angemeldet. Genauere Ortsangaben liegen derzeit nicht vor.Laut Homepage der rechtsextremen Partei soll die Veranstaltung in Berlin als Ersatz für den coronabedingten Ausfall ihres traditionellen 1. Mai Aufmarsches fungieren, der in den vergangenen Jahren regelmäßig bundesweit mehrere hundert Anhänger mobilisierte. (1) In den Vorjahren kam es teilweise zu Ausschreitungen bei diesen Aufmärschen. Das Motto für den 3. Oktober lautet: „Ein Volk will Zukunft! Heimat bewahren! Überfremdung stoppen! Kapitalismus zerschlagen!“

Was ist „Der III. Weg“?

„Der III. Weg“ ist eine rechtsextreme Kleinstpartei, die 2013 von ehemaligen NPD-Funktionären und Aktivisten verbotener Kameradschaften gegründet wurde. Inhaltlich hat sie ein stark neonazistisches Profil. Ihr an das NSDAP-Parteiprogramm angelehntes „10-Punkte Programm“ verdeutlicht in seiner Formulierung das Selbstverständnis der Partei als radikale, „nationalrevolutionäre“ Alternative zu den übrigen Organisationsansätzen in der Szene, und hat sich „die Schaffung eines deutschen Sozialismus, fernab von ausbeuterischem Kapitalismus wie gleichmacherischen Kommunismus“ zum Ziel gesetzt. „Der III. Weg“ gilt als Sammelbecken für Anhänger verbotener rechtsextremer Gruppierungen aus der militanten Neonaziszene.
Die Partei versteht sich als Kaderpartei, die trotz Beteiligung an Wahlen ihren Fokus auf den „Kampf um die Straße“ legt und Mitglieder erst nach einem Ausleseverfahren aufnimmt. Sie gliedert sich in verschiedene „Gebietsverbände“, der mehrere Bundesländer angehören. Tätigkeitsschwerpunkte sind vor allem Ost- und Süddeutschland.

In Berlin gibt es seit März 2015 einen lokalen sogenannten Stützpunkt, der aber bis zuletzt kaum wahrnehmbare Aktivitäten nach außen entfaltete. Seit seines Bestehens fand erst eine Kundgebung in Berlin-Lichtenberg im April 2017 statt, an der sich rund 20 Anhänger beteiligten. Vereinzelt wurde an Veranstaltungen anderer Gruppierungen teilgenommen. Sporadisch kam es zu Flugblattverteilungen oder Plakatierungen. Regelmäßig fanden vor allem interne Veranstaltungen statt, wie Vorträge, Schulungsabende, Wanderungen oder Kampfsporttrainings.

In diesem Jahr ist eine Zunahme der Aktivitäten des „III. Weg“ in Berlin festzustellen: So beteiligten sich Anhänger der Partei, darunter der „Gebietsverbandsleiter Mitte“, mehrfach an den sog. „Corona-Protesten“. Außerdem kam es zuletzt häufiger zu Flugblattverteilungen in verschiedenen Bezirken, darunter in Britz (Neukölln), Tegel (Reinickendorf) und verschiedenen Ortsteilen in Treptow-Köpenick.

Um den geplanten Aufmarsch am 3. Oktober 2020 zu bewerben, wurden Mitte August Flugblätter in Spandau verteilt und (nach Eigenangaben) entsprechende Aufkleber in Hohenschönhausen verklebt.

Was ist zu erwarten?

„Der III. Weg“ inszeniert seine Versammlungen seit jeher bewusst sehr martialisch. Seine Anhänger laufen stets einheitlich, teilweise uniformiert und gerne in Marschformation unter Trommelschlägen. Damit wird auch in Berlin zu rechnen sein.
Auch wenn die lokalen Aktivitäten zuletzt etwas zugenommen hatten, ist der hiesige Personenkreis überschaubar. Allerdings muss aufgrund der bundesweiten Mobilisierung mit einer überregionalen Anreise von Rechtsextremen gerechnet werden, die durch das Datum als Feiertag begünstigt wird. Die Tatsache, dass es in diesem Jahr coronabedingt bislang wenig Veranstaltungen gab, an denen sich die Anhänger und Sympathisanten beteiligen konnten, dürfte die Motivation zur Teilnahme erhöhen. Hinzu kommt, dass Berlin für Rechtsextreme seit jeher (sowohl historisch als auch aktuell) eine hohe Symbolkraft besitzt und es der erste Aufmarsch der Partei in der Hauptstadt ist.
Zudem muss mit einer Teilnahme anderer rechtsextremer Gruppierungen aus Berlin und Brandenburg gerechnet werden.

Informationen zu Gegenprotesten finden Sie bei unserem Partnerprojekt Berlin gegen Nazis.

(1) 2019 in Plauen: ca. 500 Teilnehmende, 2018 in Chemnitz: ca. 700 Teilnehmende, 2017 in Gera: ca. 480 Teilnehmende

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